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Buch - Homöopathie, Heilung über die Seele

Buch "Homöopathie, Heilung über die Seele"Buch "Homöopathie, Heilung über die Seele"

Autor: Dr. med. Gerhardus Lang
Verlag: Eva Lang-Verlag
Seiten: 2 Bände 720 Seiten
Preis: 56,00 € inkl. MwSt.
ISBN 3-937466-23-1

 

Artikel aus Homöopathie-aktuell

Vom Schulmediziner zum Homöopathen - 10. Teil

Die Bedeutung von Ignatia am Beispiel eines Scheidungskindes

von Dr. med. Ralf Werner

Kinder, deren Eltern sich scheiden lassen, müssen etwas „schlucken", was sie nicht „schlucken" wollen. Egal, was für eine Arznei einem Scheidungskind z.B. beim Heuschnupfen bisher geholfen hat, bei einer Scheidungssituation ist an dem erfolgreichen Einsatz von Staphisagria und Ignatia die erfolgte Resonanzänderung zu erkennen. Jedes Scheidungskind kommt unvermeidlich in die Resonanzen der unterdrückten Wut und Verzweiflung, wobei die „Ignatia-Verzweiflung" überwiegt.

Den folgenden Tagebuchbericht gab mir die Mutter der Neurodermitis-Patientin Lisa, nach der Heilung ihres Kindes. Es wird deutlich, was von einer homöopathischen Therapie erwartet werden kann, aber auch wie viel Leid bisweilen auf dem Weg zur Heilung ertragen werden muss.
Lisas Vater hat sich kürzlich von seiner Familie getrennt. Lisa, vier Jahre alt, neigt zu Allergien und Neurodermitis.
Die Mutter schreibt:
Die großen Sommerferien gehen zu Ende. In der letzten Ferienwoche zu Hause beginnt Lisa, sich an der Haut zu kratzen. In der Familie stehen Veränderungen bevor: Einschulung der älteren Schwester Anna, die die gemeinsame Kindergartengruppe verlässt und meine Versetzung als Grundschullehrerin an eine neue Schule in Wohnortnähe (Übernahme eines bestehenden 2. Schuljahres).
Erste Schulwoche nach den Sommerferien. Der Zustand von Lisas Haut an den Beinen, besonders an den Knien und Fußgelenken sowie an den Händen verschlechtert sich täglich. Sie sträubt sich, in den Kindergarten zu gehen, schreit und klammert, wenn ich gehen möchte. Sie ist anhänglich, quengelig und anstrengend.
Bereits am ersten Schultag stellt sich meine Arbeitssituation als äußerst problematisch dar. Meine Klasse mit 30 Kindern ist als chaotisch bekannt. So habe ich mir meine neue Arbeitsstelle nicht vorgestellt! Es lastet ein großer Druck auf mir. Meine eigenen Kinder haben darunter zu leiden. Am Ende der ersten Schulwoche ist ein massiver Neurodermitis-Schub bei Lisa nicht mehr aufzuhalten.
Samstag, 26. August. Trotz strenger Diät, Lisa kratzt und kratzt. Die Beine sind schon offen. Am Bauch, im Gesicht und an den Armen bilden sich Pöckchen und Quaddeln. Aufgrund des unterschiedlichen Hautbildes bin ich verunsichert und entschließe mich, einen Allgemeinmediziner herzubitten – Lisa kann schon nicht mehr laufen! Frage nach Kinderkrankheit. Anzeichen einer bakteriellen Infektion. Der Arzt verschreibt: Schmerzmittel, juckreizstillende und antibiotische Salben. Lisa wehrt sich gegen die Einnahme der Medikamente. Gegen den Willen des Kindes flöße ich gemeinsam mit einer Nachbarin die Medikamente ein. Sie fiebert.
Sonntag, 27. August. Lisas Zustand verschlechtert sich. Medikamente schlagen offensichtlich nicht an. Sie fiebert, liegt auf der Couch im Wohnzimmer, bekleidet mit Unterhemd und Unterhose, Baumwolllaken unter und über ihr.
Montag, 28. August. Morgens: Anruf bei Dr. Werner. Alle Medikamente weggestellt. Er verordnet Ignatia C 10.000.
Nach einer schlechten Nacht gehe ich zur Schule. Eine Tagesmutter betreut Lisa in der Zwischenzeit. Am Abend Besuch des Vaters, bringt eine Cortisonsalbe mit. Lege sie zur Seite. Lisa schläft in der Nacht bei mir. Sie weint und schreit vor Schmerzen. Gebe ihr zusätzlich Aspirin.
Kommentar: Die Verzweiflung des Kindes und auch der Mutter sind offensichtlich. Wenn ein Kind verzweifelt ist, kann man davon ausgehen, dass sich diese Verzweiflung auf die Mutter überträgt und umgekehrt. (12. Kap.) Die Mutter ist in einer ausweglosen Situation: Wenn sie ihr schreiendes Kind im Kindergarten abgibt, macht sie einen Fehler. Wenn sie es nicht tut, kann sie nicht arbeiten gehen - aus ihrer Sicht ebenfalls ein Fehler. Deshalb: Ignatia
Dienstag, 29. August. Schlechte Nacht, Lisa wird immer wieder wach, kratzt, weint und lässt sich kaum beruhigen. Wir schlafen beide wenig. Aspirin in der Nacht. Ignatia C 50.000. Dr. Werner sagt: „Seien Sie unbesorgt. Das kriegen wir in den Griff. Das verspreche ich Ihnen. Aber ich will nichts beschönigen: Ihnen stehen schwere Zeiten bevor."
Kommentar: Die Mutter schilderte das Kind als launisch und widersprüchlich. Auch die Charakteristik des Fiebers und der Hautausschläge wiesen eindeutige Ignatia-Symptome auf. Nach Einnahme von Ignatia zeigte sich stets eine eindeutige Besserung: Das Kind hörte auf zu weinen. Das Fieber ließ sich überzeugend senken – allerdings immer nur kurzzeitig. Fieber als Folge von Kummer habe ich bei Kindern oft beobachten können. Da die Besserungen lediglich für zwei bis drei Stunden anhielten erhöhte ich die Potenzen.
Mit meinem Heilungsversprechen hatte ich mich weit aus dem Fenster gelehnt. Eigentlich darf man ein derartiges Versprechen nicht machen. Der Patient stellt letztlich die Gesundheit her – der Arzt stellt allenfalls die Weichen. Heute würde ich bescheidener zum Ausdruck bringen, dass ich bei homöopathischer Behandlung von Neurodermatitiden gute Erfahrung gemacht habe.
Mittwoch, 30. August. Ich bin nicht arbeitsfähig. Da kaum geschlafen, lasse mich für den Rest der Woche krankschreiben. Lisas Toilettengang wird immer schwieriger. Sie kann nicht mehr sitzen. Ihre Haut nässt überall. Es verbreitet sich langsam ein unangenehmer Geruch, den ich kaum ertragen kann. Ich wechsle zweimal am Tag und einmal in der Nacht die Tücher und Unterlagen. Am Abend kommt ihr Vater, setzt sich zu ihr ans Bett, redet mir ins Gewissen, die Cortisonsalbe zu verwenden. Man müsse den Kreislauf unterbrechen. Ich bin dagegen, weil ich weiß, dass Cortison die Hautsymptome nur zeitweise unterdrücken würde. Trotz des schlimmen Zustandes der Haut habe ich die innere Sicherheit, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Nach Einnahme der Kügelchen sind immer wieder eindeutige Besserungen im körperlichen und im psychischen Bereich zu beobachten gewesen. Das Fieber hat jeweils prompt reagiert.
Donnerstag, 31. August. Zustand weiterhin schlecht, erneut Fieber. Fahre zur Arztpraxis. Liegendtransport im Laderaum des Kombis. Lisa schläft auf der Fahrt ein. Dr. Werner und Frau Dr. Tendick untersuchen Lisa. Dr. Werner ist nach wie vor ganz ruhig und sagt, wir schaffen das. Er verordnet Ignatia C 100.000. Lisa schläft wieder ein.
Freitag, 1. September. Mein Entschluss steht fest: Ich muss ganz für meine Kinder da sein. Ich höre für ein Jahr auf zu arbeiten und lasse mich beurlauben. Ich bin erleichtert. Ich will mich ganz auf mein Kind konzentrieren. Am Abend ist Lisa's Haut auch unter den Achseln befallen, so dass es nicht mehr möglich ist, sie zur Toilette zu tragen. Der Po ist derart wund, dass es bei jedem Wasserlassen wehtut. Sie schreit vor Schmerzen und verkneift es sich so lange wie möglich. Sie jammert: ‚Ich muss Pipi, aber ich will nicht.' Sie hält ein. Einmal pro Tag und einmal pro Nacht, alle zwölf Stunden, geht sie auf die Toilette. Wieder dieselbe verzweifelte Situation: Ich schlage ihr tausend Variationen vor, wie sie es mit dem Pipimachen am besten schaffen kann. Sie schmettert jeden Vorschlag weinend und schreiend ab. Pampers darunter legen, Suppenteller unter den Popo schieben, Töpfchen im Bett, usw. Ich handle wieder und klemme einen schlanken Plastikbecher unter die Schamlippen, dabei wehrt sie sich, die Beine zu spreizen. Drumherum decke ich alles mit Tüchern ab, damit bloß kein einziges Tröpfchen an die offene Haut gelangt. Irgendwann schaffen wir es, aber überzeugt hat sie die Methode nicht. Sie bleibt skeptisch. Beim nächsten Mal gelingt es überhaupt nicht. Sie macht ins Bett. Erbärmliches Schreien. In der Nacht drückt sie weichen Stuhlgang heraus, ohne zu schreien und zu weinen. Sie schläft tief und fest. Am nächsten Morgen weiß sie von nichts. Sie wird fast ärgerlich, als ich ihr davon berichte. Später nach der ersten Tiefschlafphase wird sie wieder wach, fängt an zu weinen und sagt vollkommen verzweifelt: ‚Mama, ich kann ja gar nicht mehr laufen.' Ich versuche, sie zu beruhigen und ihr Hoffnung auf Besserung zu machen. Irgendwann tut ihr der Nacken so weh, dass sie mich bittet, in den Nacken zu pusten. Ich hocke mich vors Bett und puste und puste. Sie weint dabei unaufhörlich. Plötzlich unterbricht sie und sagt: ‚Mama, hol dir doch einen Stuhl!' Mir kommen die Tränen.
Kommentar: Wenn Lisa uriniert, erwartet sie unerträglicher Schmerz, wenn sie den Urin einhält ebenfalls. Die durch die Trennung der Eltern hervorgerufene Ignatia-Resonanz findet ihr Äquivalent in körperlichen Symptomen.
Die Katastrophe ist perfekt. Ich richte ihr in meinem Schlafzimmer eine Schlafstelle ein. Tagsüber verhält sie sich ganz ruhig und scheint ihren Zustand zu akzeptieren. Mittlerweile kann sie sich nicht mehr rühren. Sie bewegt ihre Beine schon seit zwei Tagen nicht mehr. Auch ihre Hände und Finger kann sie nicht mehr bewegen. Alles ist geschwollen, offen und schmerzhaft. Ich füttere sie, gebe ihr mit dem Strohhalm zu trinken. Sie isst gut, trinkt viel Mineralwasser, ihr Stuhl ist weich. Sie fiebert ständig ein wenig. Ich soll ihre Stirn kühlen, die einzige Hautpartie, die frei ist, und an der sie Körperberührung ertragen kann. Da sich meine Hand schnell erwärmt, schickt sie mich, das Kühlkissen aus dem Gefrierschrank zu holen. Sie trägt mir auf, meine Hand an dem Kühlkissen zu kühlen und sie dann an ihre Stirn zu halten. Dabei schaut sie ununterbrochen eine bestimmte Mickey-Mouse-Video-Kassette. Sie läuft Tag und Nacht. Das lenkt sie ab. Ich schaue fortwährend mit und sie ist damit zufrieden – tagsüber. In der Nacht häufen sich die Juckattacken. Sie schreit viel, ruft immer wieder: ‚Aua!' Ich versuche, sie zu beruhigen. Die Situation spitzt sich zu: Sie kann sich nicht mehr selber kratzen. Ich soll es für sie tun. Erst wehre ich mich. Ich starre auf das offene rohe Fleisch. Dann entschließe ich mich, es zu tun. - ‚Wo?', frage ich. Sie antwortet: ‚Da!', rührt sich dabei aber nicht von der Stelle. Sie fängt an zu schreien: ‚Da!' Die Verzweiflung wächst auf beiden Seiten. Ich versuche durch Zeigen an meinem eigenen Körper herauszufinden, an welchen Stellen es bei ihr juckt, taste analog ganz behutsam ihre Körperstellen ab, bis wir uns in etwa einig sind, wo ich kratzen soll. Das wiederholt sich mehrmals in diesen Tagen. Manchmal kann sie mir die Stellen überhaupt nicht nennen, so verzweifelt ist sie. Sie schreit erbärmlich.
Samstag, 2. September. Nach dem Bericht über die vergangene Nacht erhöht Dr. Werner die Potenz von Ignatia auf C 1.000.000. Er kündigt an, dass Lisa innerhalb der nächsten 24 Stunden als nächstes Mittel Natrium muriaticum benötigen wird.
Kommentar: Es waren neue Symptome aufgetreten, die auf Natrium muriaticum hinwiesen. Neue Symptome weisen stets auf die Arznei hin, die als nächste benötigt wird. Wenn sich z.B. vermehrt Bläschen zwischen den Fingern zeigen (unter anderem: Natrium muriaticum zweiwertig), Risse an den Fingerkuppen neu auftreten (Natrium muriaticum einwertig mit Sternchen), sich Hautausschläge um den Mund herum verschlimmern (unter anderem: Natrium muriaticum dreiwertig) und sich in Mitte der Oberlippe ein Riss zeigt (Natrium muriaticum zweiwertig), wären alle diese Symptome Hinweise für Natrium muriaticum.
Lisas Vater fragt: „Wie weit willst du noch gehen?" Ich blocke das Gespräch ab, viel zu erschöpft, er solle sich mit Dr. Werner in Verbindung setzen. Er dreht sich um und geht. Innerlich ist er auf 180; das weiß ich. Lisas Hals ist so schmerzhaft, dass sie den Kopf nur in eine Richtung halten kann.
Sonntag, 3. September. Am Wochenende ruft Dr. Werner mich dreimal am Tag an, Samstag wie Sonntag. Ich fühle mich gut versorgt und weiß, dass ich mich ganz auf diesen Menschen und Arzt verlassen kann. Sonntagmorgen erzähle ich von Lisas verklebten Augen und dem schon gestern aufkeimenden bronchialen Husten. Außerdem schildere ich, dass sich das Fieber in der Nacht nicht mehr mit Ignatia C 1.000.000 beeinflussen ließ. In der Nacht ruft sie immer wieder: ‚Der Husten soll weg, Mama!' Mittags steht es fest. Natrium Muriaticum C 1.000. Zwanzig Minuten später schläft Lisa. Das Fieber steigt während des zweistündigen Schlafes, lässt sich aber nach ihrem Erwachen und regelmäßiger Gabe von Natrium Muriaticum eindeutig senken. Am nächsten Morgen hat sie eine Temperatur von 37,4°C und die Haut ist wesentlich trockener. Im Verlauf des Tages kann man zusehen, wie sie abtrocknet. Überall bildet sich Haut. Die Haut ist nicht mehr gerötet. Lisa kratzt weniger. Sie hat gute Laune und ist stimmungsmäßig wie verwandelt. Lisas Haut schuppt sich unendlich, und vor allem: Die Haut stinkt nicht mehr. Allerdings will sich Lisa noch keinen Schritt bewegen. Das Pipimachen bleibt ein Problem. Sie traut verständlicherweise niemandem.
Kommentar: Der Husten war unter Ignatia aufgetreten. Allein dies war ein Hinweis darauf, dass diese Arznei ausgereizt war. Die Psyche, das Fieber und die Haut hatten nicht mehr auf Ignatia reagiert. Jetzt wirkte Natrium muriaticum.
Montag, 4. September. Lisa klagt am Morgen über Ohrenschmerzen. Sie fiebert. Erhöhe die Potenz von Natrium Muriaticum. Mittags verliert sie kein Wort mehr über ihr Ohr. Das Fieber ist weg. Erste Sitzversuche. Das Kind nimmt mich dabei wortlos in den Arm, schmiegt sich an mich. Unbeschreiblich dieser Moment.
Aber es dauert nicht lange und eine neue Krise bahnt sich an, und das um 23.30 Uhr. Lisas Gesicht schwillt an: Augenlider, Nasenwurzel, Oberlippe, Hände und Füße. Ich gerate in Panik. Notarzt angerufen: Quincke-Syndrom, heißt es. Das Kind müsse sofort in die Kinderklinik. Die Schwellungen könnten auf die Schleimhäute übergreifen. Was tun? In letzter Sekunde mache ich mir klar, was Lisa im Krankenhaus erwarten würde: Neben Vorhaltungen und Entsetzen über den Zustand des vierjährigen Kindes sicherlich hohe Gaben von Cortison. Also ziehe ich mich wieder aus, stelle vorsichtshalber den Wecker auf 1.00 Uhr, falls ich versehentlich einschlafe und halte in der Nacht Sitzwache, um die Schwellungen und möglicherweise eintretende Atemnot zu beobachten.
Dienstag, 5. September. Dr. Werner verordnet Apis C 1.000. Plötzlich verweigert Lisa die Einnahme der homöopathischen Arzneien. Sie muss Pipi und will nicht. Ich fühle mich hilflos. Sofortiger Wechsel: Ignatia C 50.000. Für eine halbe Stunde. Dann ist der Spuk vorbei. Das Kind ist wieder fröhlich, hat einen Scherz auf den Lippen und die Welt scheint wieder in Ordnung. Zurück auf Apis C 1.000, später auf Apis C 10.000. Bis zum Abend geht die Schwellung deutlich zurück.
Kommentar: Die Symptome des Patienten diktieren die Arznei und dabei können sehr unterschiedliche Arzneien zum Einsatz kommen. Wie man sieht, benötigte Lisa Apis mellifica. Die Schwellungen im Gesicht waren unter anderem eine Indikation für diese Arznei. Das Verlangen Lisas, Pippi zu machen und es gleichzeitig wegen der zu erwartenden Schmerzen vermeiden zu wollen, war eine verzweifelte Lage und erforderte eine zwischenzeitliche Gabe von Ignatia.
Im Verlauf des Tages macht Lisa wiederum Sitz- und Gehversuche. Am Abend öffnet sie stolz ihrem Vater die Tür. Sie geht das erste Mal wieder auf die Toilette! Halleluja!
Donnerstag, 7. September. Die Schwellungen sind noch nicht ganz weg, besonders über der Nasenwurzel. Morgens Apis C 50.000. 16.30 Uhr Besuch bei Dr. Werner. Die Schwellung ist nicht mehr wahrzunehmen. Lisa spaziert in Strumpfhosen in die Praxis. Alle freuen sich. Sie ist total vergnügt und fährt sogar am Abend fürs Wochenende zu ihrem Vater. Abends Fete. Ich trinke auf mein starkes Mädchen, auf den Arzt und Menschen Dr. Werner und auf mich selbst! Sonntagnachmittag sehe ich Lisa wieder und fasse es kaum. Ihr Gesicht ist blank. Man sieht nichts mehr. Soweit der Bericht der Mutter.
Ist es nicht verantwortungslos, so viel Leid zuzulassen? Wäre ich nicht verpflichtet gewesen, dies – egal wie – zu verhindern? Stellt das durchgemachte Leid für das Kind nicht ein erneutes Trauma dar? – Man muss wissen, dass die Unterdrückung von Hautausschlägen keine Heilung bedeutet, sondern ein Symptom lediglich verdeckt. Schlimmstenfalls kann die Unterdrückung von Hautausschlägen sogar ein Asthma auslösen.
Warum ist es der kleinen Lisa so schlecht gegangen? Das Mädchen hat wegen der Trennung seiner Eltern unter großen seelischen Nöten gelitten und psychosomatisch mit einer Erkrankung der Haut reagiert. Lisa war in einen tiefen Ignatia- Zustand geraten. Was wäre geschehen, wenn ich „nur" die Haut - homöopathisch oder schulmedizinisch - behandelt hätte und das vielleicht auch noch erfolgreich? Die Resonanzebene von Ignatia wäre nicht geheilt worden, Lisa hätte diese Hypothek möglicherweise ihr Leben lang mit sich herumgetragen und unbewusst Gelegenheiten zum Ausagieren ihrer verdrängten Verzweiflung im Sinne des Wiederholungszwanges gesucht. Ein Zulassen des Leidens hat die Heilung gefördert. In diesem Fall haben die hohen Potenzen der Arzneimittel und ein relativ kultiviertes Miteinander-Umgehen der getrennten Eltern die Heilung begünstigt. Bei einem lang dauernden, destruktiven Rosenkrieg wäre eine Heilung deutlich verzögert oder unmöglich gewesen.
Lisa haben die Arzneien Ignatia, Apis und Natrium Muriaticum geholfen. Kann man daraus den Schluss ziehen, jede Neurodermitis sei durch diese Arzneien heilbar? Natürlich nicht! Die Arzneien werden individuell abgestimmt, wobei die psychischen und körperlichen Symptome berücksichtigt werden müssen. Fast jede Neurodermitis bringt den betroffenen Patienten in Anspannungs- und Verzweiflungszustände. Dass ein Juckreiz nerven - jetzt Staphisagria - und geradezu verrückt machen kann - jetzt Ignatia, wird jeder verstehen. Der Einsatz von Staphisagria und Ignatia erhöht die Heilungschancen bei jeder Neurodermitis. Patienten argumentieren oft: Heilen Sie meine Haut und ich bin nicht mehr verzweifelt.
Es bedarf keiner großen Einfühlung, um diese Argumentation zu verstehen. Oft ist es schwer zu vermitteln, dass die Hauterkrankung nicht die eigentliche Ursache des Problems ist.



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